STERBE- UND TRAUERBEGLEITUNG

Es gilt nicht, dem Leben mehr Stunden zu geben, sondern den Stunden mehr Leben: Als ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von DIE BRÜCKE sind wir für Sterbende und ihre Angehörigen Gesprächspartner und Vertrauenspersonen. Wir begleiten zeitweise den Sterbenden, um die Angehörigen zu entlasten. In der schweren Zeit nach dem Tod eines Menschen sind wir bereit, die Angehörigen und Freunde in ihrer Trauer zu begleiten. Wir haben Zeit für Gespräche, Beistand und Zuwendung.

Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit führen wir Informations- und Vortragsveranstaltungen durch, um zur Auseinandersetzung mit dem Thema Sterben und Tod anzuregen und auf unsere Tätigkeit hinzuweisen. Wir informieren über Vorsorgemöglichkeiten, z. B. Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, etc.

Selbstverständlich unterliegen wir bei unserer Tätigkeit der Schweigepflicht.

Regionale Zusammenarbeit

Zum Wohle der Sterbenden und ihrer Angehörigen sind wir als aktiv tätiger, ambulanter Verein bestrebt, in Zusammenarbeit mit allen anderen hospizlich arbeitenden Gruppen, Diensten und Einrichtungen in und um Schwerte zusammenzuwirken und uns gegenseitig mit dem jeweiligen Angebot zu ergänzen. Wir möchten mit den Pflegeteams, Sozialstationen, Ärzten und Seelsorgern zusammenarbeiten und bieten ihnen und den Sterbenden unsere Unterstützung an.

Hospizliche Arbeit strebt Kooperation an

Seit Mitte 2000 gibt es eine Zusammenarbeit mit der Hospiz-Initiative, in der wir versuchen, fachliche Kompetenzen weiterzuentwickeln und gegenseitig nutzbar zu machen, die Vorbereitung zu verbessern und zu koordinieren, die Öffentlichkeitsarbeit gemeinsam voranzubringen und somit unsere Außenwirkung zu vergrößern. Hospizliche Arbeit, vor allem die ehrenamtliche ambulante Tätigkeit, muss sichtbarer und bewusster werden.

Was ist die Grundlage unserer Arbeit

  1. Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland
  2. Art. 1: Die Würde des Menschen ist unantastbar.

    Art. 2: Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.

    Die Freiheit der Person ist unverletzlich.


  3. Grundsätze der Bundesärztekammer zur ärztlichen Sterbebegleitung
  4. Aufgabe des Arztes ist es, unter Beachtung des Selbstbestimmungsrechtes des Patienten Leben zu erhalten, Leiden zu lindern und Sterbenden bis zum Tod beizustehen. Er muss dabei den Willen des Patienten beachten.

    Der Arzt ist verpflichtet, Sterbenden so zu helfen, dass sie in Würde zu sterben vermögen. Dabei kann die Linderung des Leidens so im Vordergrund stehen, dass eine möglicherweise unvermeidbare Lebensverkürzung hingenommen werden darf.

    Aktive Sterbehilfe ist unzulässig und mit Strafe bedroht, auch dann, wenn sie auf Verlangen des Patienten geschieht.


  5. Hospizbewegung und Sterbebegleitung – Konzepte und Leitlinien des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW)
  6. Das Konzept der Landesregierung NRW zur Hospizbewegung orientiert sich u. a. an folgenden Leitsätzen:

    • Sterben und Tod müssen in der Öffentlichkeit behutsam thematisiert werden, um in der Bevölkerung die Bereitschaft dafür zu wecken, sich in der Sterbebegleitung zu engagieren und neue Wege zu gehen.
    • Ziel muss es sein, vorrangig ein Sterben zu Hause zu ermöglichen. Der Schwerpunkt der Hospizarbeit liegt somit im ambulanten Bereich und wird vor allem durch die überwiegend ehrenamtlich tätigen Begleiter/innen geleistet. Die Einbeziehung und Unterstützung der Angehörigen ist dabei so weit wie möglich anzustreben.
    • Kann eine Begleitung Schwerkranker und Sterbender zu Hause nicht ausreichend sichergestellt werden, ist in Einzelfällen die Versorgung durch ein stationäres Hospiz angezeigt.
    • Die verschiedenen ambulanten und stationären Dienste und Einrichtungen der Kranken-, Alten- und Behindertenhilfe müssen ein Netzwerk bilden, um effektiv und umfassend wirken zu können.
    • Die notwendige Vorbereitung der ehrenamtlich tätigen Kräfte muss sichergestellt sein.

Zehn Wünsche eines Sterbenden für seinen Begleiter

  1. Lass nicht zu, dass ich in den letzten Augenblicken entwürdigt werde. Das heißt, lass mich, wenn es irgend einzurichten ist, in der vertrauten Umgebung sterben. Das ist schwerer für dich. Aber es wird dich bereichern, Sterbebegleiter/in zu sein.
  2. Bleibe bei mir, wenn mich jetzt Zorn, Angst, Traurigkeit und Verzweiflung heimsuchen. Hilf mir zum Frieden hindurch zu gelangen.
  3. Denke dann nicht, wenn es soweit ist und du hier ratlos an meinem Bett sitzt, dass ich tot sei. Das Leben dauert länger, als die Ärzte sagen. Der Übergang ist langwieriger, als wir bisher wussten. Ich höre alles, was du sagst, auch wenn ich schweige und meine Augen gebrochen scheinen. Drum sag jetzt nicht irgendwas, sondern das Richtige. Du beleidigst nicht mich, sondern dich selbst, wenn du jetzt mit deinen Freunden belanglosen Trost erörterst und mir zeigst, dass du in Wahrheit nicht mich, sondern dich selbst bedauerst, wenn du nun zu trauern beginnst. So vieles, fast alles, ist jetzt nicht mehr wichtig.
  4. Das Richtige, was du mir jetzt sagen möchtest, wenn ich dich auch nicht mehr darum bitten kann, wäre zum ersten das, was es mir nicht schwer, sondern leichter macht, mich zu trennen. Denn das muss ich. Ich wusste es auch längst, bevor du oder der Arzt es mir mit euren verlegenen Worten eröffnet hattet. Also sag mir, dass ihr ohne mich fertig werdet. Zeig mir den Mut, der sich abfindet, nicht den haltlosen Schmerz, Mitleid ist nicht angebracht. Jetzt leide ich nicht mehr. Sag mir, dass du das und das mit den Kindern vorhast und wie du dein Leben ohne mich einrichten wirst. Glaub nicht, es sei herzlos, das jetzt zu erörtern. Es macht mich freier.
  5. Das Richtige, was du mir jetzt sagen möchtest, wenn ich dich auch vielleicht nicht mehr darum bitten kann, wäre das Wort, aus dem ich gelebt habe. Wenn nichts bleibt vom Leben auf Erden, so sind es doch diese Worte. Und wenn sie nie Wort geworden wären in unserem Leben, so musst du jetzt versuchen, sie zu finden. Hat sie es nicht gehabt, so hat unsere Liebe doch immer auf ihr Wort gehofft. Vielleicht war es ein einziger Bibelvers, aus dem wir lebten ein Leben lang, ein einziger, der unser Suchen jetzt zusammenfasst. Versuch ihn zu finden und mir ins Ohr zu sagen. Ich höre.
  6. Ich höre, obwohl ich schweigen muss und nun auch schweigen will. Halte meine Hand. Ich will es mit der Hand sagen. Wisch mir den Schweiß von der Stirn. Streich die Decke glatt. Bleib bei mir. Wir sind miteinander verbunden. Das ist das Sakrament des Sterbebeistands. Wenn nur noch die Zeichen sprechen können – so lass sie sprechen.
  7. Dann wird auch das Wort zum Zeichen. Jetzt hättest du mehr von mir zu lernen als ich von dir. Ich blicke schon durch die Tür. Jetzt, da ich davongehe, wünsche ich, dass du beten kannst, das heißt, dass du das Gute erkennst, das Gott uns jetzt schickt. Klage nicht an – es gibt keinen Grund. Sage Dank – ich werde Gott schauen. Und dir wird es auch geschenkt werden.
  8. Morgen, wenn sie dich nicht mehr allein lassen mit mir, sorge dafür, dass der Ton dieser Stunde zwischen uns nicht verlorengeht. Lass die ehrenden Worte auf der Anzeige, den Aufwand auf dem Friedhof. Das alles erreicht mich nicht mehr.
  9. Und wenn dir mein Sterben ferner und ferner rückt, die letzten Kondolenzen beantwortet sind und du, wie es jedermann erwartet, in Trauer zurückfallen sollst, so wehre dich mit aller Kraft. Das viele Trauern in der Welt ist nur die andere Seite unseres Unglaubens und das schlimmste ist, dass gerade die meisten Christen Ernst mit Traurigkeit verwechseln und von der Sonne singen, ohne sie zu leben. Du sollst von mir nur wissen, dass ich der Auferstehung näher bin als du selbst.
  10. Nimm dir mit, was wir zusammen erlebt haben, als ein kostbares Vermächtnis. Lass mein Sterben dein Gewinn sein, wie das Sterben unseres Heilandes unser Gewinn ist. Leb dein Leben fortan ein wenig bewusster als dein Leben vor dem Tod. Es wird schöner, reifer und tiefer, inniger und freudiger sein, als es zuvor war, vor meiner letzten Stunde, die meine erste ist.
  11. Johann Chr. Hampe